Sehnsucht nach Eisgekühltem

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slow bike calendar Kirgistan, 20.07.-11.08.2011 slow bike

Die beiden Zeltnächte am Song Köl-Bergsee (siehe Foto), der lediglich in den Sommermonaten von Sennern, deren Weidetier und Touristen bevölkert wird, waren kühl und romantisch. Bei der 33-Serpentinen starken Abfahrt ins Tal sehnten wir uns dennoch nach mehr Infrastruktur (namentlich eisgekühltem Bier und ebensolchen Eistee). 50 Meter vor dem Örtchen Ak Tal freuten wir uns endlich wieder Asphalt unter den Rädern zu spüren. Der Temperaturanstieg vom Pass (3.200 m Seehöhe) ins „Tal“ (1.600 m) war mit 20 auf 45 Grad Celsius gewaltig und verstärkte unser Verlangen.

Im Ort allerdings dann das böse Erwachen: alle 4 Geschäfte waren geschlossen. Wir fuhren etwas missgelaunt die Hauptstrasse ab und fragten dort und da nach Einkaufsmöglichkeiten. Zwei Einheimische erklärten unabhängig voneinander, dass das Geschäft in 5 Minuten aufsperre. Allerdings trafen sie ihre Aussagen stark zeitversetzt. Wir verstanden nicht und fühlten uns allein gelassen. Wollten uns die Einheimischen einfach hinhalten?

Nein, zu unserer Verwunderung öffneten sogar zwei Geschäfte, weil die Gefragten die Ladenbesitzer verständigt hatten. Plötzlich fiel es uns wie Schuppen von den Augen. Wir hatten 2 Personen mit derselben Aufgabe beschäftigt.

Einzigartiges:

• Überangebot an Marillen (wildwachsend am Strassenrand zum Selberpflücken und als selbstgemachte Marmelade in jedem Haushalt)
Kymiz, vergorene Stutenmilch: hat nicht nur für Nomaden den Nährwert einer ganzen Mahlzeit
Türkisblau bemalte Holzfenster, Türrahmen, Gartenzäune, Hausfassaden und Dächer
Plumpsklo, Outdoor-Waschbecken und –Duschen, die händisch mit Brunnenwasser befüllt werden sind allgegenwärtig; selbst im Hotel ist die warme Dusche kein Standard sondern mit Aufpreis verbunden
Jurten als flexible Sommerbehausungen, Verkaufsbuden, Restaurants oder Cajcanas (Teehäuser)
Reiter auf Pferden und Eseln (bereits im Kleinkindalter)

Shocking versus wunderschön:

Mörderische Fahrten mit desolaten Sammeltaxis von Baetov nach Jalal Abad auf Jeep-tauglichen Schotterpisten über zwei 3000er-Pässe. Die Fahrten inklusive Reparaturarbeiten für die 300 km lange Strecke dauerten ca. 15 Stunden. Beiden Autos fehlte die Handbremse und Motorkühlung, einem die Hupe und das Zündschloss. Während des Nachfüllens von Kühlwasser durch den Fahrer am Berg musste der Beifahrer die Fussbremse betätigen (siehe Foto). Bei einem Taxi brach am Ende der Fahrt die Lenkung. Glück im Unglück, dass es nicht am Berg passierte
• 3 Tages Trekkingtour von Karakol zum Ala Köl-Bergsee (siehe Foto) mit anschliessendem Bad in heisser Sulphurquelle in der Bergdorfidylle von Altyn Arashan

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