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Zeitungsbericht:

"Es ist alles möglich"

slow bike calendar Neues Volksblatt (Magazin am Wochenende), Samstag, 18. August 2012 (siehe PDF – 2,8 MB)

Nora Aumayr und Roman Schauer haben das Pamir-Gebirge in Tadschikistan geschafft
Nora Aumayr und Roman Schauer haben das Pamir-Gebirge in Tadschikistan geschafft

 

Weltenradler - 14 Monate mit dem Rad unterwegs

Weltenradler – 14 Monate mit dem Rad unterwegs

Nora Aumayr und Roman Schauer wollten schon immer einmal die Welt bereisen – und das möglichst langsam und bewusst. Also haben sie sich für das Fahrrad als Verkehrsmittel entschieden und radelten 14 Monate durch Europa und Asien. Dabei begegneten sie den unterschiedlichsten Menschen, fürchteten und freuten sich und sind nun reich an fast unendlich vielen Geschichten ...

Text: Mariella Moshammer

Österreich - Ungarn - Slowenien - Kroatien - Montenegro - Albanien - Kosovo - Mazedonien - Bulgarien - Georgien - Aserbaidschan - Kasachstan - Kirgistan - Usbekistan - Tadschikistan - China - Laos - Thailand - Kambodscha - Philippinen - Brunei - Singapur - Malaysia - Großbritannien - Frankreich - Belgien - Niederlande - Deutschland.

Die Liste der Länder, die Nora Aumayr und Roman Schauer in 14 Monaten bereist haben, ist schon sehr eindrucksvoll. Noch eindrucksvoller wird sie mit dem Wissen, dass das in Wien lebende Paar den größten Teil seiner Reise mit dem Fahrrad zurückgelegt hat.

Vor rund einem Monat kamen die 31-jährige Nora, die ab ihrem sechsten Lebensjahr in Hörsching aufgewachsen ist, und der 34-jährige Roman aus Niederösterreich zurück nach Wien, wo sie seit ihrem Studium leben.

Den Grundgedanken, einmal eine Weltreise zu machen, hatten die beiden schon länger. „Die Frage war, wie sollen wir reisen.“, so Roman: „Dann haben wir in Indien ein deutsches Pärchen kennengelernt, das damals schon eineinhalb Jahre mit dem Rad unterwegs war. Zuerst dachten wir, das wäre zu anstrengend, aber dann haben wir uns dafür entschieden, so zu reisen, denn wir wollten es keinesfalls stressig, sondern langsam angehen.

Durch Kambodscha
Durch Kambodscha

Geplant haben die Beiden ihre Reise rund ein Jahr lang, trainieren stand dabei nicht an oberster Stelle, erzählt Roman lachend: „Wir haben die Räder, die wir uns gekauft haben, getestet – das heißt, wir sind von Wien nach Tulln gefahren und wieder zurück und ich hatte danach Knieschmerzen.“ Aber davon ließen sich die Beiden nicht abschrecken: „Man trainiert während der Reise.

In groben Zügen geplant ...

Die Route bis China war bei der Abfahrt am 9. April 2011 in Wien in groben Zügen festgelegt, die Visa waren besorgt, was Nora und Roman auch einen gewissen Zeitplan vorgab: „Die Visa sind für bestimmte Daten ausgestellt – bis dahin mussten wir an den Grenzen sein.

Die Größe Chinas forderte die beiden Wahl-Wiener dann: „Wir wussten gar nicht, wohin wir zuerst fahren sollen, was wir sehen wollen. Also haben wir uns treiben lassen und sind dorthin gefahren, wo es uns gefallen hat.“ Und die Reise ging weiter nach Laos, Thailand, auf die Philippinen, ... „Geplant war ein Jahr, aber wir haben dann spontan auf 14 Monate verlängert“, so Roman. Und Nora ergänzt: „Das Reisen ist für uns Alltag geworden. Wir haben jetzt wieder unsere eigene Wohnung, unser eigenes Bett, unser Bad und unser Klo und das ist auch schön. Auf der Reise war unser Tag ganz anders strukturiert und wir haben täglich etwas Neues erlebt.“

Besonders spannend, und ganz dem Begriff „slowbike“ verschrieben, war die Erfahrung der sich verändernden Landschaften. „Die Umgebung hat sich ganz langsam immer mehr verändert und ist immer fremder geworden“, erzählt Nora: „Das war ganz anders, als wenn man mit dem Flugzeug einfach wo hin geflogen wäre.

Hirtenjungen begleiten Roman durch Kirgistan
Hirtenjungen begleiten Roman durch Kirgistan

Als besonders gravierend empfanden Nora und Roman den Unterschied zwischen Zentralasien und China: „Wir haben in der ehemaligen UdSSR sehr viel Armut erlebt, aber die Menschen waren sehr interessiert an uns. In China waren immer viele Leute und es gab wirklich alles zu kaufen“, erzählt Nora: „Mir unseren Sprachkenntnissen waren wir in China auch am Ende. Da konnte man mit Begriffen wie ,Hotel', oder ,Internet' nichts mehr anfangen.

Gefährlich wurde es für die beiden Weltenbummler während ihrer vierzehn-monatigen Reise nie, berichtet Nora: „Wie hatten etwas Angst vor unserer Einreise nach Tadschikistan. Da sind wir entlang der afghanischen Grenze geradelt, wo oft militärische Kontrollen durchgeführt wurden. Aber es ist nichts passiert und die Zivilisten waren uns alle wohl gesonnen.“ Nur einmal ist den Beiden auf ihrer langen Reise etwas gestohlen worden: „Das war ein orangefarbener ganz schicker Outdoor-Klopapierhalter. Wir glauben, dass Kinder den mitgenommen haben, ohne zu wissen, was es ist“, erzählt Nora schmunzelnd. Die Gefahren, denen die zwei ausgesetzt waren, waren ganz anderer Natur: „Wie haben oft nicht gewusst, wann und wo wir Wasser bekommen und wie viel wir mitnehmen sollen.“

10 kg Gepäck „abgebaut“

Gepackt haben Nora und Roman vor ihrer Reise „viel zu viel! Jeder von uns ist anfangs mit mindestens 25 Kilogramm Gepäck weggefahren, zurückgekommen sind wir mit je 15 Kilogramm.

Die Fahrräder haben die Reise gut überstanden, sagt Roman: „Es gab nur Kleinigkeiten. Ich hatte zwei Platten, Nora insgesamt sieben. Und ich hatte einmal einen Achter im Hinterrad, das war alles.“ Jetzt stehen die Räder wohlauf in Wien, „und wir hoffen, dass sie uns jetzt nicht gestohlen werden.“ lacht Roman.

Abfahrt und Ankunft  dazwischen liegen 14 Monate
Abfahrt und Ankunft – dazwischen liegen 14 Monate

Derzeit ist Nora im Mutterschutz und wartet ungeduldig auf ihren Nachwuchs. Ist eine weitere große Reise schon in Planung? „Wir haben schon darüber geredet, dass wir einmal Südamerika machen könnten. Wir fragen uns nur wann! Vielleicht ja noch bevor das Kind in die Schule kommt, oder dann, wenn wir in Pension sind“, schwelgt Nora in Zukunftsplänen. Und dass solche Reisen mit Kindern nicht ganz abwegig sind, haben die beiden radelnden Österreicher erlebt: „Mitten in der Wüste in Usbekistan sind wir einer Familie aus der Schweiz begegnet. Die waren mit ihren drei Kindern unterwegs – in Anhängern an ihre Räder gehängt. Alles ist eben möglich. Man muss nur ins kalte Wasser springen und eigentlich kann einem ja nichts passieren."