„This is not a ferry boat in the way you think...“

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slow bike calendar Schwarzes Meer, 30.05.-02.06.2011 slow bike

„... sagte der Ferry Master Agent zu Nora am Telefon. Wir waren also auf das schlimmste gefasst, als wir (mit Lebensmitteln und Unmengen an Wasser ausgestattet) am Ferryboat Complex von Varna eintrafen um die Fähre übers Schwarze Meer zu nehmen. “Complex“ war die Angelegenheit auf jeden Fall. In der gesamten Vorwoche hatte uns die Ungewissheit geplagt, denn bis zum Vortag der Abfahrt war nicht klar, ob das Schiff überhaupt in See stechen würde. Immer wieder wurden wir am Telefon vertröstet: „Call in 2 hours“.

An Bord befanden sich 80 Kraftfahrzeuge, 40 Crewmitglieder, 20 Güterwagons und nur 8 Passagiere. Mit ihren bewegten Lebensgeschichten verkürzten sie uns die 72-stündige Reisezeit:

• 2 gebürtige Georgier: „Big David“ hatte einen litauischen Pass, Kinder in Russland und lebte in Irland von wo er seinen Kleinbus voller Metallschrott mitbrachte. Er drückte uns schon vor der Abfahrt seine Autoschlüssel in die Hand, damit wir es uns bei Musik und Schokolade gemütlich machen konnten und verschwand für eine Weile. Wir planen ihn in Tbilisi zu besuchen. Der zweite Georgier war im deutschen Sprachraum als Pianist (z.B. mit den Berliner Philharmonikern) aufgetreten.
• 2 miteinander verschwägerte, gebürtige Armenier, in Deutschland bzw. Frankreich lebend.
• 2 Bibelbrüder der Zeugen Jehovas. Willem stammte aus den Niederlanden und Edmund aus der Slowakei. Sie waren auf dem Weg nach Sighnaghi, um die letzten Arbeiten am Restaurant „Amsterdam“ zu erledigen. Wir hoffen an der Eröffnung teilnehmen zu können.

Übrigens waren unsere Sorgen völlig unbegründet. Wir wurden 3x täglich bekocht und es gab ausreichend Wasser an Bord. Untergebracht waren wir zu zweit in einer komfortablen Viererkabine mit Badezimmer. Sie liess keine Wünsche offen.

Unglaublich:

• Wieviele andere Fahrzeuge in einen LKW-Anhänger hineinpassen, nur um Stellplätze und damit Kosten zu sparen.
• Dass der neue silberne Audi, der von der Crew beim Fussballspielen getroffen wurde, nicht beschädigt wurde und der Fussball nicht im Meer landete.
• Big David wartete 28 Tage am Fährhafen, der keinerlei Infrastruktur anbot, bis er die nötigen Reisepapiere für die Fahrzeugüberstellung urgiert hatte und verlor dabei 15 kg an Körpergewicht.
• 4 von 8 Passagieren nahmen an Deck an Yogaübungen teil.
• Keines der überführten Fahrzeuge wird jemals wieder in die EU zurückkehren.

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