Am Dach der Welt

seite empfehlen seite drucken slow bike kontaktieren
slow bike calendar Tadschikistan, 30.08.-26.09.2011 slow bike

Dass uns hier eine besonders grosse Herausforderung erwartete, war uns bewusst. Liegen doch mehr als 50 % von Tadschikistan über einer Höhe von 3.000 Meter über dem Meer. Die Tatsache, dass hier entlang einer wüstenähnlichen Hochebene auf durchschnittlich 4.000 Meter über dem Meer eine Strasse besteht, faszinierte uns. Was würde uns auf der ca. 500 km langen Strecke des Pamir Highways, der unter Stalin (1931-34) gebaut wurde, um die Aussengrenzen der Sowjetunion zu sichern, erwarten? Würden wir die Höhe vertragen? Würde es kalt sein? Wie würde die Versorgung sein? Würde unser Visazeitraum für die Durchradelung reichen?

Schon die Anfahrt zur M41, besser bekannt unter dem Namen Pamir Highway, war ein Erlebnis. Wir trafen auf Regen, Minenfelder, einen platten Vorderreifen, Kinder, die uns aus Afghanistan zuriefen, Tadschiken, die uns auf Tee einluden und mit Trockenfrüchten beschenkten.

Sobald wir das Pamir Hochplateau erobert hatten, fuhren täglich nur mehr etwa ein Dutzend chinesische LKWs und noch weniger PKWs an uns vorbei. Wir hatten also freie Fahrt, wenn man vom teilweisen Asphalt-„ausfall“ einmal absieht. Die Höhe bereitete uns zum Glück keine Kopfschmerzen. Die Tabletten gegen Höhenkrankheit blieben im Gepäck. Die Freude war gross, als wir den höchsten Pass mit 4655 Meter über dem Meer erreichten. Tagsüber genossen wir die weitläufige Landschaft, Sonnenschein und die unendliche Stille. Die Nächte waren kühl. Die Temperatur im Zelt betrug am Morgen -3 Grad Celsius. Hin und wieder fanden wir in kleinen Orten am Strassenrand Läden mit spärlichem Sortiment an Nudeln, Keksen und Süssigkeiten (z. B. in Alichur und Karakul). Nur Murgabs Bazar, der aus Containern besteht, bot (fast) alles was unser Herz begehrte. Von der Kleinstadt erhofften wir uns Internetzugang. Aufgrund der starken Stromschwankungen blieb dieser Wunsch unerfüllt.

Am Kizil Art Pass, kurz vor der tadschikischen Grenze begann es zu schneien. Wir hatten Glück und kamen bei einem Haus im Niemandslands am Grenzpass unter. Dort wurden wir wie so oft freundlichst begrüsst und mit Ofenwärme, Tee und tadschikischem Plov empfangen.

Höhepunkte:

• Ak-Baitalpass: Höchster geradelter Pass (4.655 Meter über dem Meer, siehe Foto)
• Höchster Zeltplatz (4.300 Meter über dem Meer)
Ersatzteile von Weltumradlern: Benzinflasche von Corina & Philipp, -pumpe von Jac & Aaron
Erster Schnee bei der Ausreise über den Hochgebirgs-Grenzpass (4.282 Meter über dem Meer)
• Baden in heissem Quellwasser im Sanatorium in Jelondy
• Zusehen beim Melken von Jakstuten

Tiefpunkte:

Verlust von Teilen des Campingkochers bei der Fahrt mit einem Pickup durch den Anzob-Tunnel (auch als „tunnel of death“ bekannt): von Iranern gebaut, schwere Baumängel, unbeleuchtet, Wassereinbrüche, zum Teil nur einspurig befahrbar
Bruch von Romans Brillenrahmen am Pamir Highway (ca. 700 km vom nächsten Optiker entfernt
• Noras Durchfall in einer Campingnacht bei Minusgraden

Bildergalerie Tadschikistan >>