Cheap-dirty bus ride to Moynaq

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slow bike calendar Usbekistan, 11.08.-30.08.2011 slow bike

Am meisten in Erinnerung bleibt die Anreise nach Moynaq. Die “beinahe-Geisterstadt“ lag einst am Aralsee. Die Bevölkerung lebte bis in die 70er Jahre von Fischfang und der -konservenproduktion. Unsere Räder hatten in Usbekistan übrigens hitzefrei (bis zu 50 ° Celsius, kontinentales Wüstenklima).

Beim Einsteigen in den Bus waren die Sitzplätze bereits vergeben. Wieder und wieder stiegen Fahrgäste ein. Ich stand am Trittbrett und liess die Einsteigenden an mir vorbei, wohl aus Angst bei einer Massenpanik nicht rechtzeitig aussteigen zu können.

Wo es möglich war sass man auch am Boden. So taten es einige ältere Frauen mit ihren Markteinkäufen. Als wir später in Moynaq ankamen und das dortige Warenangebot wahrnahmen, verstanden wir weswegen selbst Melonen auf der 4-stündigen Busfahrt mitgeführt wurden. Zu guter letzt wurde in den überfüllten Bus noch ein originalverpackter Kühlschrank durch die Hintertür gepresst. Eine Torte wurde durch die Vordertür gereicht und wanderte von Hand zu Hand bis sie auf einem freien Schoss ihren Platz fand.

Wie sollte sich die Bustür jemals schliessen? Der Busjunge, der das Ticket an die Fahrgäste verkaufte, schwang sich an den Halterungen mit den Armen aufstützend über den Boden. Die übrigen 5 Personen auf dem Trittbrett (darunter ich) pressten sich ebenfalls nach oben. Es klappte. Wir fuhren los.

Kurz darauf nahm eine Dame auf Romans Füssen Platz. Ihr war sichtlich übel. Ich lehnte ihr direkt gegenüber. Sie übergab sich in ein Plastiksackerl. Niemand verzog eine Mine und beim nächsten planmässigen Stopp wurde es zur Tür hinausgeworfen. Dieser Ablauf wiederholte sich im Laufe der Busfahrt. Später beförderten wir eine Satellitenschüssel, die von den stehenden Fahrgästen Überkopf festgehalten wurde.

Und wieder blieb der Bus stehen und ein weiterer Fahrgast drang in das Reich der aneinander geschmiegten, schwitzenden Passagiere ein …

Typisches:

Hochbettgestelle auf Feldern, im Restaurant und Vorgarten als Sitz- und Liegefläche (siehe Foto)
• Touristen gehen am Schwarzmarkt Geld wechseln; aufwändige Geldzählprozeduren (grösste Banknote: 1.000 usbekische Som entsprechen ca. 25 Eurocent)
Goldzähne bei alt und jung
• Melonen, Weintrauben, Pfirsiche und Feigen; Baumwollfelder; blaue Kacheln auf Moscheen, Medresen und Mausoleen
• Langwierige, unangenehme Grenzkontrollen: obwohl nur 4 Personen vor uns warteten dauerte die Einreise 3 Stunden; nachdem unser gesamtes Gepäck einen Scanner passierte, wurden wir aufgefordert alle Fahrradtaschen auszupacken; die homöopathische Reisapotheke einem Drogentest unterzogen; alle Medikamente am Einreisezettel vermerkt und ihre Verwendungszwecke abgefragt; Reisefotos durchgesehen; Schlafsäcke abgetastet etc.

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