Wo Moderne und Tradition aufeinanderprallen

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slow bike calendar Westchina, 28.09.-14.10.2011 slow bike

Wir waren endlich in China, so wie 1,4 Milliarden andere Menschen auch und fühlten uns wie im Schlaraffenland, als wir im Grenzort Simuhana in den ersten Laden eintraten. Die Regale bogen sich vor lauter viel versprechend bedrucktem und großzügig in Plastik verpacktem, unbekanntem Allerlei. Über die Unmengen an Verpackungsmaterial, die das Land wohl bewältigen muss, dachten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht nach. Der Kontrast zum hinter uns liegenden spartanischen Produktsortiment der zentralasiatischen Länder war offensichtlich. Wir verfielen in einen Kaufrausch exotischer Köstlichkeiten: Kalte Kaffee-Softdrinks, sesamüberzogenes Süßgebäck, chinesische Kekse mit Erdnussbutterfüllung, Sojabohnen mit Wasabikruste, etc.

So sehr sich die Produkte im Vergleich zu Kirgistan verändert hatten, so wenig tat es die Erscheinung der Bewohner. Sie wirkten zentralasiatisch auf uns. Erstes Indiz dafür waren die uns bereits vertrauten rechteckigen, fein bestickten Kopfbedeckungen der Männer. Ihre Träger gehören der Minderheit der Uiguren an. (Und wenn hier von einer Minderheit die Rede ist, dann sind das immer noch ganze 8 Millionen Menschen.) Sie teilen nicht nur traditionelle Bekleidungsstücke, sondern auch islamische Religion und türkische Sprachfamilie mit Teilen ihrer zentralasiatischen Nachbarn.

Die kulturelle Kluft zur Bevölkerungsmehrheit der Han-Chinesen stach in unserer ersten chinesischen Großstadt Kashgar besonders ins Auge. Waren an der einen Ecke riesige Leuchtreklamen, Megastores, Nudel-Schnellküchen und trendige Friseurläden zu entdecken, so ereilte uns im uigurischen Viertel ein orientalisch anmutendes Marktgetümmel mit Handwerkern, Hammelfleischküchen und Händlern, die selbstgeerntete Waren auf der Strasse anboten. Mit einem Wort: Mit dem Wechsel der Strassenseite vollzogen wir gelegentlich eine Zeitreise.

Aktuelle Lage:

• Ende Juli 2011 wurden in Kashgar Anschläge, bei denen Menschen ums Leben kamen, verübt. Die Schuldigen sucht die chinesische Regierung unter den Uiguren.
• Die Lage in der Autonomen Uigurischen Region Xinjiang ist nach wie vor angespannt

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